Roman Signer

June 1 – July 27, 2002

Roman Signer. June 1 – July 27, 2002
Roman Signer. June 1 – July 27, 2002
Roman Signer. June 1 – July 27, 2002
Roman Signer. June 1 – July 27, 2002
Roman Signer. June 1 – July 27, 2002
Roman Signer. June 1 – July 27, 2002

Roman Signer ist Sachverständiger des Absurden. Entgrenzung traditioneller Skulpturbegriffe und Entgrenzung des Gewohnten sind sein Metier. Er inszeniert seine Skulpturen als offene Formen des Sich im Raum Ereignens. Sie sind Prozesse, von denen der Betrachter meistens nur das transformierte Endprodukt sieht, dem aber der temporale Verlauf seines Entstehens eingeschrieben bleibt. Zeit als Werkmaterial ist Substanz wie strukturbildender Faktor von Signers Arbeiten.

Im Hauptraum der Galerie liegt eine vier Meter große, runde Mondkarte wie eine Scheibe auf dem Boden. Ein kleiner Modellhubschrauber ist auf ihr gelandet. Unsinn scheint hier im Spiel. Braucht es doch normalerweise eine Fluggeschwindigkeit von 11.200 km pro Sekunde, um das Gravitationsfeld der Erde zu durchbrechen. Der kleine Hubschrauber wird zur Metapher räumlichen Entgrenzungsdrangs. Die Aufsicht auf die Bodenistallation simuliert so eine Vogelperspektive auf den Mond. Im Nebenraum sind Bilder von der Mondkarte, die der Spielzeughubschrauber bei seinem Flug aufgenommen hat, auf die Wand projeziert. Die Scheibe generiert zur Kugel, die im Raum schwebt und transformiert die plane Fläche der Karte in eine reale Erscheinung. Der Mond wird zum vertrauten Himmelsobjekt. Während man eben noch im Weltraum war, ist man hier wieder auf der Erde gelandet. Signer macht den Traum vom Fliegen poetisch wahr. Die Dimensionen von Raum und Zeit - die beiden Grundkonstituenten von Wahrnehmung überhaupt - als selbst nicht sichtbare Entitäten, finden sich plastisch übersetzt. Dabei hat, wie so häufig in Signers Arbeiten, die eigentlich Aktion, der Flug des Hubschraubers mit einer Minikamera über der Mondkarte, vor der Ausstellungeröffnung stattgefunden.

Luft als ephemeres Element verbindet den Hubschrauber mit dem Werk Zwei Räder. Ein Standventilator bläst Wind auf ein an der Wand angebrachtes Rad, das sich im Luftstrom dreht. Die der Steckdose entnommene Naturkraft des Winds wird als Energie von Veränderung eingesetzt. Wind als Potenz, Dinge im raum-zeitlichen Kontinuum in Bewegung zu setzen, ist mittels trivialer Alltagsgegenstände in Szene gesetzt. Im absurden Drehen der industriell gefertigten Räder scheinen Naturkreisläufe fassbar.

In seinen präzise durchkalkulierten Versuchsanordnungen führt Signer Bekanntes ad absurdum. Hubschrauber auf dem Mond sind ebenso widersinnig wie an Wände installierte Räder. Die paradoxe Grundstruktur seiner Ereignisskulpturen rückt Bekanntem mit handfester Ironie entgegen.

Jutta Voorhoeve