Ayşe Erkmen

Müßiggang

September 24 – November 30, 2002

Ayşe Erkmen: Müßiggang. September 24 – November 30, 2002
Ayşe Erkmen: Müßiggang. September 24 – November 30, 2002

In ihrer ersten Ausstellung in der Galerie Barbara Weiss zeigt die in Berlin und Istanbul lebende Künstlerin Ayse Erkmen, deren besonderes künstlerisches Anliegen in der Auseinandersetzung mit Präsentationsformen von Kunst, ihren Traditionen und Konventionen liegt, Werke unterschiedlichster Form. Der Titel Müßiggang verweist jedoch darauf, unter welcher gemeinsamen emotionalen Voraussetzung diese entstehen konnten.

Mit einer Schreibmaschine entwarf Erkmen einen neuen Schrifftyp für die Buchstaben des Alphabets, wobei sie auch die türkische Schreibweise einiger Buchstaben aufführt. Die deutlich als lateinische Lettern wiedererkennbaren Buchstaben setzen sich spielerisch aus den verschiedenen Zeichen-Typen einer Schreibmaschine zusammen. Ihren Schrifttyp, der den Titel Typed Types, 2002 trägt, und den man als Software auf CD gebrannt erwerben kann, präsentiert die Künstlerin grafisch auf einer etwa 2 x 3 Meter großen Wandfläche im Eingangsraum der Galerie in unterschiedlichen Schriftgrößen. Ein ähnliches Prinzip ist in in dem Werk Typed table, 2002 wiedererkennbar. Auf die Oberfläches eines weißen Tisches sind Tischsymbole verschiedenster Variation gedruckt, die wiederum aus den unterschiedlichen Typen einer Schreibmaschine kombiniert sind.

Mit den drei Skulpturen im Hauptraum der Galerie bezieht sich Ayse Erkmen direkt auf die Institution der Galerie und deren Funktion, Kunst-Ware zum Verkauf anzubieten. Die Scribble(s), 2002 entstanden nach spielerisch-flüchtigen Computerzeichnungen, deren gegenstandslose Form die Künstlerin in dreidimensionale materielle Körper übersetzt. Das Material von zwei der dünnwandigen und fragilen Objekte, die in der Türkei in Handarbeit hergestellt wurden, besteht aus reinem Silber, stellt also an sich bereits einen festen materiellen Wert dar. Die Präsentationsform referiert bewusst auf die handelsübliche Strategie, Waren - beispielsweise Schuhe oder Schmuck - auf den zugehörigen Verpackungsboxen anzupreisen. Mit den kleinen silbernen Schalen, die ähnlich wie in einem Laden auf einem schmalen Holzregal plaziert sind, macht Erkmen eine weitere Dimension ihrer künstlerischen Intention deutlich: sie transferiert kulturelle Werte Ihrer Heimat. Silber als Material und Silberwaren haben im türkischen Alltag einen wichtigen Stellenwert.

Als Ausgangsbild des Videoloops Deutsche Bahn, 2002 nutzte die Künstlerin ein dramatisches Bildmotiv aus dem DB-Kundenmagazin Mobil. Erkmen animierte und vertonte die gefrorene Momentaufnahme der dargestellten Szene: ein Leuchtturmbewohner wird vom Geräuschpegel und der Druckwelle eines heranfliegenden Hubschraubers so stark abgelenkt, dass ihm der immer stärker werdende Seegang, der sich hinter dem Leuchtturm aufgebaut hat, unbemerkt bleibt und beinahe zum Verhängnis wird. Im Video Free times, 2002 reiht Ayse Erkmen auf komplexe Weise kontrastreiche Ausschnitte aus Filmen aneinander, die sie selbst in ihrer Freizeit aufgenommen hat. Zu sehen sind unter anderem schnelle Bilder von Stadt- und Autobahnfahrten, sowie ruhige Wasser-, Pflanzen- und Tierstudien.