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Presseinformation


Friederike Feldmann
Printemps 2020

14. März – 18. April, 2020
Eröffnung, Freitag, 13. März, 18 – 20 Uhr
Öffnungszeiten, Dienstag – Samstag, 11 – 18 Uhr


Die Galerie Barbara Weiss freut sich, eine Einzelausstellung mit neuen Arbeiten von Friederike Feldmann zu präsentieren. Der Titel Printemps 2020 zitiert die Mode, die in der Ausstellung allerdings nicht als Metapher des Ephemeren figuriert, sondern als Sprache mit eigener Syntax und Lexik. Die Elemente des Zeichnens – Form, Farbe, Linie und Fläche – werden von Feldmann in eingehenden Studien mit der Rhetorik der Mode verglichen, ihren Codes, Mustern und Prozessen. Eine Analogie, mit der die Künstlerin zu einer grundsätzlichen Reflexion über die strukturelle Verfassung ihres Mediums einlädt, die sich auf Fragen von Zeitlichkeit, Materialität und Plastizität öffnet: Gibt es so etwas wie eine Rhetorik des Zeichnens, die der Sprache der Mode gleicht?

In Collection, 2020, erkundet Feldmann die Außenbezirke ihres Mediums. Die Arbeiten zeigen allein die äußersten Ränder von Zeichnungen, die wie die überstehenden Seiten von übereinanderliegenden Skizzenbögen flächig auf der Wand verteilt zu sein scheinen, ein illusionistischer Effekt, der durch die Abschattung der Blattkanten erzielt wird und auf die Bedeutung des Illusionismus für die Geschichte der Wandmalerei anspielt. Phänomenologisch setzt die Künstlerin mit einem zweiten illusionistischen Mittel ganz gezielt an jener Schwelle an, wo die passive Rezeption in aktive Projektion umschlägt, wo Rekonstruktion in Konstruktion kippt. Denn so wie das Auge nur die ersten Buchstaben eines Wortes erfassen muss, um sie zu einer signifikanten Einheit zusammenzusetzen, fokussiert Feldmann die Ränder einer Zeichnung, um einen Wahrnehmungsmechanismus zu untersuchen, der einer kunsthistorischen Musterkennung ähnelt. Randgänge sind die Arbeiten aber auch in einem weiteren Sinn, denn Feldmann nimmt in ihre Zitatensammlung nicht nur künstlerische Stile auf. Ihr Spektrum ist disparat: Gestisches steht neben Geometrischem, die Architektenzeichnung neben der Kritzelei. Was in dieser Gegenüberstellung erscheint, ist weniger eine Konfrontation, sondern vielmehr eine spielerische Erkundung des Zeichnens als kultureller Praxis.

Befassen sich die Wandarbeiten mit den Merkmalen, die eine Wiedererkennung von unterschiedlichen Idiomen gestattet, verschieben die kleineren Zeichnungen den Fokus auf spezifische Looks, 2017 - 2020. Sie erkunden die Merkmale, die einen Stil individualisieren. Die Arbeiten gehen auf längere Auseinandersetzungen mit Porträtzeichnungen von ausgewählten Künstlern aus verschiedenen Epochen zurück und lassen sich als Dokumente dieser persönlichen Begegnungen verstehen. Mit ihrer strengen Ökonomie drängen die Arbeiten über die Reduktion zum Wesentlichen vor und übersetzen es zugleich: Jenseits von Zitat und Appropriation lässt sich die Künstlerin auf ausgewählte Referenzen ein, macht sich mit ihren Zeichenstilen vertraut, um diese dann ohne spezifisches Modell, allein ausgehend von diesem Prozess der Einfühlung in ihre eigene Praxis zu übertragen. Feldmanns Übersetzung eines höchst individualisierten Stils in ihre eigene künstlerische Handschrift bewegt sich bewusst zwischen Differenz und Wiederholung und stellt damit grundsätzlich die Frage danach, was einen Stil, was Einfluss und was Übersetzung in der Kunst ausmacht.




Press release


Friederike Feldmann
Printemps 2020

March 14 – April 18, 2020
Opening Friday, March 13, 6 – 8pm
Gallery hours, Tue – Sat, 11am – 6pm


We are pleased to present a solo exhibition with new works by Friederike Feldmann. The title Printemps 2020 cites fashion, but it is not as a metaphor of the ephemeral that fashion figures in this exhibition. Rather fashion figures as a language with its own syntax and lexis. In detailed studies, Feldmann compares the constitutive elements of drawing—form, color, line, shape—with the rhetorics of fashion, its codes, patterns and processes. It is an analogy by means of which the artists invites the viewer to reflect on the structuality of her medium, a reflection that opens onto questions of temporality, materiality and plasticity: Is there something like a rhetoric of drawing, comparable to the language of fashion?

In Collection, 2020, Feldmann explores the margins of her medium. The works only show the outer edges of drawings, which appear to lie on top of each other like sheets of paper spread out on the wall. This effect, which may be read as a reference to the prominence of illusionism in the history of mural painting, is achieved through a shading of the sheets’ edges, resulting in an impression of stratification. Phenomenologically, the artist relies on another illusionist device to interrogate the threshold where passive perception merges with active projection, where reconstruction turns into construction. For just as the eye only reads the first letters of a word to compose a signifying unit, Feldmann zeros in on the margins of drawings to interrogate a mechanism of perception that resembles an art historical form of pattern recognition. Yet the works are situated on the medium’s margin in a broader sense as well, insofar as Feldmann not only includes artistic idioms in her collection. She covers a disparate spectrum: the gestural stands besides the geometrical; the architect’s drawing next to the doodle. What appears in this comparison, however, is not a confrontation of high and low, but rather something like an artistic and playful exploration of drawing as a cultural praxis.

If the mural painting interrogates the characteristics that allow for the recognition of different languages of drawing, the smaller drawings shift the focus to specific Looks, 2017 - 2020. They explore those features that individuate a personal style. All of these works—traces and documentations of very personal encounters—emerged from the engagement with portrait drawings of selected artists. With their strict economy of means, the drawings reduce a personal style to its essence while simultaneously translating it. Beyond citation and appropriation, the artists familiarizes herself with a selected body of work, in order to distill and translate its style, working not with a specific model, but solely on the basis of this practiced proximity. Deliberately, Feldmann’s translation of highly personal styles into her own artistic idiom moves between difference and repetition to pose a fundamental question about what constitutes style, influence and translation in art.